Hochwasserschutz und Renaturierung Kleine Emme und Reuss

Hochwasserschutz und Renaturierung Kleine Emme und Reuss

Erfahrungsbericht mit Schwerpunkt Projektmanagement

Autor: Roland Ferrari

Heftige Unwetter im Sommer 2005 und 2007 verursachten in weiten Gebieten des Kantons Luzern grossflächige Überschwemmungen und unzählige Ufer- und Sohlenerosionen an Fliessgewässern. Stark betroffen waren die Kleine Emme sowie die Reuss.

Projektgrundlagen

Als Folge der Unwetter 2005/2007 wurde von der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif), Abteilung Planung Kunstbauten/Wasserbau (heute Abteilung Naturgefahren), des Kantons Luzern, ein Planungsbericht (B136) über die langfristige Sicherstellung des Hochwasserschutzes (HWS) und Renaturierung der Kleinen Emme und Reuss verfasst. Der Planungsbericht, vom Regierungsrat genehmigt, diente als Projektgrundlage.

Zu den langfristigen Projektzielen gehören die Sicherstellung des Hochwasserschutzes und die Entwicklung der Kleinen Emme und Reuss zu einem ökologisch zusammenhängenden, möglichst naturnahen und dynamischen Fliessgewässer. Wichtiger Bestandteil ist die Gestaltung der Flusslandschaft unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte.

Projektorganisation und -struktur

Die Brandenberger+Ruosch AG wurde in dieser Projektinitierungsphase zugezogen, um den Bauherrn zu beraten und zu entlasten. Sie war wesentlich am Aufbau der Projektorganisation und der Strukturierung der Aufgaben sowie der Entwicklung der Vorgehensweise beteiligt.

Als Resultat dieser Projektstrukturierung und Projektorganisation entstanden verschiedene Projektmanagementinstrumente, welche im Projekthandbuch dokumentiert sind.

Das Projekthandbuch dient als einheitliche Arbeits- und Entscheidungsgrundlage für alle Projektbeteiligten. Es enthält die für das Projekt festgelegte Verfahren und Spielregeln sowie die wichtigsten Planungsinformationen wie Projektziele, Projektorganisation, Informationsmittel und das Sitzungs- und Berichtswesen. Es regelt damit die Zusammenarbeit im Projekt und die der verschiedenen Anspruchsgruppen.

Der Projektstrukturplan zerlegt die Projektaufgabe in kontrollierbare Arbeitseinheiten (Arbeitspakete, Teilaufgaben) und stellt das Projekt in seiner Gesamtheit dar. Er schafft Transparenz und deckt Unklarheiten in der Zieldefinition auf. Zusätzlich bildet er die Basis für die Strukturierung der Terminpläne, Kostenpläne, Beschaffungen, Verträge und Konten.

Abbildung: Als Übersicht über die verschiedenen komplex verknüpften Teilprojekte dient der von Brandenberger+Ruosch AG erstellte Projektstrukturplan.

Projektmanagement

Die fachtechnische und die administrative Leistungs- und Qualitätsüberwachung (Projektführung) wird durch die Gesamtprojektleitung, entsprechende Fachspezialisten und Brandenberger+ Ruosch AG, als Stabstelle der Bauherrschaft, wahrgenommen.

Die von den verschiedenen Planern zu erbringenden Leistungen sind in den Pflichtenheften der jeweiligen Aufträge detailliert definiert. Die Überwachung der Leistungserfüllung erfolgt für jedes Mandat durch den Vergleich der erbrachten Leistungen mit dem Pflichtenheft sowie mittels der Rechnungs- und Kostenkontrolle.

Die verschiedenen Teilprojekte werden mit grösstmöglicher Geschwindigkeit vorangetrieben. Das Tempo der Projektierung ist jedoch an Randbedingungen geknüpft:

  • Der Kreis der Anspruchsgruppen bei einem Wasserbauprojekt ist überdurchschnittlich gross und heterogen. Der Mitwirkungsprozess ist entsprechend (zeit)aufwändig.
  • Die vorhandenen Grundwasserrisiken erfordern eine vertiefte Untersuchung der Projektauswirkungen auf das Grundwasser. Ebenfalls ist ein erhöhter Koordinationsaufwand mit den Betreibern von Grundwasserfassungen nötig.
  • Die Planungs- und Bauarbeiten müssen ordnungsgemäss, dem öffentlichen Beschaffungsrecht entsprechend, ausgeschrieben und vergeben werden.
  • Die Verfahrenswege bei der öffentlichen Auflage, der Projektgenehmigung und des Landerwerbs müssen eingehalten werden.
  • Bei der Entwicklung der Teilprojekte wird besonderes Gewicht auf die Mitwirkung und den Miteinbezug der Gemeinden und weiterer direkt involvierter Kreise gelegt. Die Erfahrung zeigt, dass ein wasserbauliches Grossprojekt nur auf diesem Weg erfolgreich realisiert werden kann.
  • Die Teilprojekte sind mit diversen Drittprojekten zu koordinieren, resp. sind nur in Abhängigkeit dieses Projektes realisierbar (zum Beispiel Perimeter Reusszopf).
  • Der zukünftige Gewässerunterhalt ist, in Anlehnung an die Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen (Wasserbaugesetz), vorgängig zu organisieren und zu regeln.

Öffentlichkeitsarbeit / Kommunikation

Als grösste Herausforderung galt es die Bedürfnisse und Anforderungen der unterschiedlichen Anspruchsgruppen zu koordinieren und in das Projekt einfliessen zu lassen. Die Akzeptanz des Projektes wird einerseits durch Öffentlichkeitsarbeit und andererseits durch die enge Einbindung der wichtigsten Akteure und Partner in der Begleitkommission sichergestellt.

Für die direkt involvierten Parteien (Bauherr, Kantonsstellen, Planer) steht ein Teamraum als Informationsplattform mit allen aktuellen Daten zur Verfügung. Der Standbericht wird regelmässig von Brandenberger+Ruosch AG in Zusammenarbeit mit der Gesamtprojektleitung erarbeitet. Dieser wird halbjährlich abgegeben und dient den Gemeinden und betroffenen Stellen als umfassende Orientierungsund Informationsgrundlage.

Bisherige Erfolgsfaktoren

Dank eines breit abgestützten, fachlich und methodisch kompetenten Projektteams, konstanter Teamzusammensetzung mit wenig Wechsel und einer breiten Akzeptanz durch den frühen Einbezug der Anspruchsgruppen konnte die bisherige Planung erfolgreich bewältigt werden.

Im Rückblick auf die vergangenen, mehrjährigen Projektierungsphasen, waren neben den hydraulischen Anforderungen und Bemessungswerten, folgende Punkte für die Zielerreichung ausschlaggebend:

  • Aufbau einer zweckmässigen Projektorganisation und Bereitstellung der Ressourcen nach den Hochwasserereignissen innert kürzester Zeit
  • Durchgängige Projektstrukturierung in Planungs- und Realisierungsphasen sowie für den Genehmigungsablauf und den Mitwirkungsprozess Einbezug von Veränderungen der gesetzlichen Grundlagen (Wasserbaugesetz) mit Einfluss auf Kostenteiler und damit Projektbewilligung
  • Mitwirkungsprozess und Einbezug aller Anspruchsgruppen

Stand Heute

Im Projektperimeter der Kleinen Emme liegt heute das Auflageprojekt vor und die Planauflage hat stattgefunden. Die Einsprachen wurden behandelt. Die Projektbewilligung ist vorhanden. Im Perimeter der Reuss ist das Vorprojekt abgeschlossen. Als nächster Schritt folgt die Erarbeitung des Bauprojekts.

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